Dies & Das


Ein faszinierendes Buch:  „Perfekt Sitzen, Effektiv Einwirken“ - Hilft nicht nur beim Reiten…

 

Natürlich hätte ich am liebsten jeden Tag richtig guten Unterricht, aber das geht aus logistischen (und finanziellen) Gründen leider nicht. Umso begeisterter bin ich von dieser tollen Entdeckung: „Perfekt Sitzen, Effektiv Einwirken“ von Mary Wanless ist für mich definitiv das Buch mit dem ich den bisher größten gelesenen Aha-Effekt hatte. Und jetzt kommts: Sogar umsetzen konnte! Jeder hat sicherlich seine persönliche körperliche Schwachstelle und Ausweichmechanismen und daher auch Sitzfehler, die wir oft schon Jahrzehnte mit uns herumtragen. Genauer gesagt, unser Pferd. Zum Glück stand mein persönliches Highlight bereits in Kapitel 2. Hier beschreibt Mary Wanless, dass wir Reiter aktiv um unsere Sitzbeinhöcker ein Muskelpolster aufbauen müssen. Das fühlt sich ein bisschen so an, als ob man sich nur mit der Muskulatur vom Stuhl oder eben aus dem Sattel weg drückt. Dieses „hochdrücken“ beschreibt den ersten Teil des „Druck nach unten ausüben“. Druck wird gerne negativ ausgelegt, ist aber eigentlich nichts anderes als Stabilität. Und plötzlich wurde mir bewusst, dass ich eben keine Aufrichtung im Oberkörper erreichen kann ohne einen Gegenpol nach unten zu haben. Wie kann ich stabil sein, wenn ich kein Fundament aufbaue? Nur mit diesem Kapitel im Gepäck bin ich aufs Pferd gestiegen und habe es ausprobiert. Schritt ging ganz gut, im Trab ein paar Tritte, dann hat sich die neue ungewohnte Körperspannung wieder verflüchtigt. Auch ist mir beim ersten Ausprobieren aufgefallen, dass meine Sitzbeinhöcker (zumindest seit meinen Schwangerschaften) nicht mehr lotrecht sind. Meine Konzentration für den ersten Versuch reichte definitiv nicht für mehr als diese beiden Punkte. Mehr schlecht als recht versuchte ich mich damit vielleicht eine ¾ Stunde. Dann bin abgestiegen und meine Verspannungen in Schulter und Becken waren weg. Weg! Diese waren in den letzten Jahren eigentlich ständige Begleiter und konnten nur mit viel Yoga einigermaßen im erträglichen Rahmen gehalten werden. Kann das so einfach sein? Reicht bereits der Versuch aus, andere Muskeln zu aktivieren? Seitdem trainiere ich fleißig meinen „neuen“ Sitz. Beim Autofahren, Geschirrwaschen, am Tisch. Plötzlich kann ich während der Yogaeinheit bequem aufrecht und viel länger im Schneidersitz sitzen. Ich muss nur an den Druck nach unten denken. Der Rest passiert fast von alleine. Bis sich das neue Körpergefühl von alleine einstellt, wird es aber noch viele, viele Wiederholungen brauchen. Heute habe ich das letzte Kapitel gelesen. Es kamen noch weitere Erkenntnisse dazu. Ich werde direkt nochmal von vorne starten. Ein tolles Buch, das ich wirklich jedem ans Herz legen möchte!

 (1. Januar 2018)